An mir arbeiten und mich selbst annehmen?

An mir arbeiten und mich selbst annehmen?

Letztens stellte mir eine Leserin eine sehr gute Frage: „Wieso soll ich an mir arbeiten, wenn ich doch gut bin, so wie ich bin…
warum sollte ich dann noch (weiter) an mir arbeiten? Gibt es da draußen niemand der mich so akzeptiert wie ich bin?
Mit all den Ängsten und sonstigem Kram?“

Das Dilemma: An mir arbeiten und mich annehmen?

Ich verstehe das „Dilemma“ dieser Fragen. Einerseits sollst du erkennen, dass du genau so gut und richtig bist wie du bist. Und andererseits sollst du an dir arbeiten, dich entwickeln usw.

Klingt paradox.

Begleite mich auf einen kleinen Exkurs:

Wenn wir als Baby auf die Welt kommen, dann sind wir weit, offen und Essenz. Wir sind ganz pur. Als unsere essentiellen Qualitäten bezeichne ich Liebe, Mitgefühl, Frieden, Stärke, Mut oder auch Wille.
Dann folgen in den Jahren nach der Geburt die familiären Prägungen: Erziehung („Sei so und so, so bist du nicht ok.“), Verlust und Trennung, keine oder falsche Spiegelung, Missachtung, Abwertung, Bewertung, Gewalt, usw.
Aus all den schmerzhaften Erlebnissen, die wir als Gefühle/Emotionen spüren, entwickeln wir dann eine Schutzschicht. Diese Schutzschicht lässt uns überleben, hilft uns durchs Leben zu kommen, trennt uns auch von unseren unangenehmen Gefühlen und entfernt uns von unseren essentiellen Qualitäten.

Jetzt komme ich wieder zu unseren heutigen Beziehungen:

Die Schutzschicht, die wir im Laufe der Zeit entwickelten, erscheint uns heute wie unsere Persönlichkeit („Ich bin so.“) und wir leben diese früher überlebenswichtigen Strategien noch heute. Du kannst es dir auch als einen Film vorstellen: Jeder von uns hat seinen eigenen „Film“. Dein Film beinhaltet, wie die Welt ist, wie du bist, wie der andere ist. Diesen Film produzieren wir unbewusst immer wieder. Sobald wir eine Beziehung beginnen, beginnen wir auch den Partner in unseren Film einzubauen. Du führst Regie und dein Partner bekommt vielleicht die Hauptrolle.

Worum es in deiner Entwicklung geht

In der Arbeit an „dir“ selbst geht es meines Erachtens darum deiner Essenz, deinem wahren Kern, näher zu kommen.
Schutzstrategien zu erkennen. Zu fühlen. Freundlich und wohlwollend mit dir zu sein.

Und dies ermöglicht dir

  • wahre intime Begegnungen.
  • echten Kontakt.252
  • wirkliche Intimität, jenseits von Ego-Schutz-Strukturen, die heute nicht mehr angemessen sind.

Das was du gerade mit deinem Partner erlebst oder bisher wiederholt erlebt hast, ist in irgendeiner Form die Wiederholung von etwas „Altem“.

Die Frage „Gibt es da draußen niemand der mich so akzeptiert wie ich bin?“ verstehe ich so gut.
Sie spiegelt auch eine Reaktion aus der Schutzschicht heraus wieder.

Hier höre ich auch das kleine Mädchen sprechen. Und das ist aus ihrer Brille heraus auch sehr angebracht.
Als Kinder wurden wir nicht bedingungslos angenommen wie wir sind. Wir wurden erzogen. Uns wurde gesagt wie wir sein sollen und wie nicht.
Und das ist so schmerzhaft, wenn du nicht so gesehen wurdest, wie du warst. Und du warst ein wundervolles kleines Mädchen!
Um die schmerzvollen Erfahrungen zu überstehen, musste jede Strategie entwickeln um gut durch zu kommen.
Zum Beispiel durch nicht fühlen, Anpassung, immer nett sein oder auch das komplette Gegenteil.

In die Arbeit mit sich selbst führt es Menschen,

  • die spüren, dass es neben dem ganzen „üblichen, normalen“ noch mehr geben muss.
  • die sich Intimität und Nähe wünschen.
  • die Abenteuer suchen, neugierig sind.
  • die freier mit sich selbst werden wollen und auch authentischer.

Was wünscht du dir für eine Beziehung?

Alles Liebe Anika

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