Ein Plädoyer für deine vollkommene Unvollkommenheit

Ein Plädoyer für deine vollkommene Unvollkommenheit

Kennst du die Angst, dich mit etwas zeigen zu müssen, dass in deinen Augen noch nicht perfekt ist?

Du hast eine Deadline für die Abgabe eines Projektes. Der Zeitpunkt kommt näher und näher. Dein Stresspegel steigt, weil du nicht weißt wie du das Konzept | die Präsentation | den Bericht | die Rede rechtzeitig in für dich vollkommener Weise, so dass du wirklich zufrieden damit bist, fertig stellen sollst…

Oder du machst dich für ein Abend-Event fertig und suchst ewig nach dem passenden Outfit, was machst du nur mit deinen Haaren und das Make-Up, welcher Schmuck…?

Du willst perfekt sein?

Dann wirst du niemals dein Projekt fertig bekommen. Es geht vielmehr ums loslegen und ums weitermachen.

Wann ist dein Aussehen perfekt? Was brauchst du dazu?

Warum willst du vollkommen zu 100 % perfekt sein? Wovor hast du Angst?
Vielleicht Fehler zu machen? Sehr wahrscheinlich.

Wartest du auf den perfekten Mann? Wie geht denn die perfekte Beziehung? Hast du die perfekte Erziehung umgesetzt?

Unser Perfekt-sein-Streben verlangt von uns absolute Gründlichkeit, Genauigkeit und vollumfängliche Akkuratheit. Wir zeigen, dass wir in der Lage sind hundertprozentige Performance zu erbringen und keine Fehler machen.

Das Perfekt-sein* verinnerlichen wir in der Kindheit, weil wir von unseren Eltern verstehen: Du bist in Ordnung, wenn du ALLES richtig machst. Wenn nicht, mögen wir dich nicht mehr.

Die Ästhetik des Unperfekten

In Japan gibt es ein ästhetisches Konzept namens Wabi-Sabi. Es bezeichnet „eine Ästhetik des Unperfekten, welches sich durch Asymmetrie, Rauheit, Unregelmäßigkeit, Einfachheit und Sparsamkeit auszeichnet. Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit beweisen Achtung vor der Eigenheit der Dinge.“**

Dieses japanische Konzept der Wahrnehmung von Schönheit akzeptiert in der Kunst die Unvollkommenheit und die Nicht-Dauerhaftigkeit von Dingen. Eine Vase, die zerbricht, wird kunstvoll repariert und erhält dadurch eine neue besondere Schönheit.

Wie wählst du Obst im Supermarkt aus? Suchst du dir die schönsten Äpfel zusammen? Nimmst du die Banane oder Birne auch wenn sie braune Stellen hat?

Das Streben nach makelloser Schönheit nimmt uns den Blick für das Wesentliche. Es bleibt an der Oberfläche, anstatt die Tiefe, die Einzigartigkeit und die Geschichte zu entdecken.

Wenn ich mir vorstelle, dass alles perfekt wäre, dann

  • geht der Reiz und die Besonderheit durch die Unterschiedlichkeit und Individualität der Menschen und Dinge verloren.
  • erscheint alles gleich und konform.
  • erlebe ich Langeweile und uninteressantes.

Authentischer Ausdruck löst zunehmend Makellosigkeit ab. Zum Glück.

Ich empfinde es auch anstrengend, immer schön, gut gelaunt, perfekt, erfolgreich usw. zu sein. Immer zu glänzen und “alles im Griff” haben.

Wie geht es dir, wenn du die folgenden Aussagen liest?

  • Ich will immer alles sehr gründlich und genau machen.
  • Meine Aufgaben erfülle ich immer.
  • Ich setze Perfektion an die erste Stelle ohne Rücksicht auf Zeit und Kosten zu nehmen.
  • Ich möchte Anerkennung für eine absolut fehlerfreie Leistung. Von Anderen erwarte ich das Gleiche.
  • Ich rechtfertige mich oft.

Mir wird es ganz schwer im Oberkörper. Ich fühle mich steif und angestrengt.

Die Macht der Erlaubnisse

Wenn du bemerkst, dass du mal wieder etwas perfekt machen willst, dann ERLAUBE dir, dass du das NICHT MUSST.

  • Du bist gut genug, so wie du bist.
  • Du darfst Fehler machen.
  • Du darfst mit Anderen bei Fehlern nachsichtig sein.
  • Du brauchst dich nicht stets zu rechtfertigen.

Erlaube dir VOLLkommen UnVOLLkommen zu sein. Erlaube es dir. Du darfst!

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Das Pareto-Prinzip

Der Ursprung des Pareto Prinzips liegt bei dem italienischen Ingenieur, Soziologen und Ökonomen Vilfredo Pareto. Er untersuchte um 1906 die Verteilung des Volksvermögens in Italien und fand heraus, dass rund 80 Prozent Vermögen, bei 20 Prozent der italienischen Familien konzentriert war.

Dieses einfache Prinzip unterstützt dich dabei von deinem Drang nach  Perfektion abzulassen. Die sog. 80 / 20 Regel bedeutet, dass du mit 20 Prozent Einsatz, 80 Prozent deines gewünschten Ergebnisses erreichen kannst. Nach der Pareto-Regel ist es nämlich so, dass du mit 100 Prozent Einsatz, nicht 100 Prozent Erfolg erzielst. Es sind laut der Regel deutlich weniger Einsatz!

Ich denke es gilt herauszufinden, was deine effizienten 20 Prozent sind.  Was hält dich am meisten auf? Lohnen sich die letzten 20 Prozent?

Wir verbringen 80 Prozent unserer Zeit mit 20 Prozent der Menschen, die wir kennen. Das heisst, diese 20 Prozent bescheren uns auch 80 Prozent an Freude, Inspiration und Wohlgefühl.

Mit welchen 20 Prozent der Menschen, die du kennst, möchtest du deine wertvolle Zeit verbringen?

Deine weibliche Vollkommenheit

Wie möchtest du jenseits des Perfektem sein? Wie sieht dein weiblicher Ausdruck aus?

Diese Frage finde ich viel spannender als einem perfekten Ideal hinterherzujagen. Die Art und Weise wie jede Frau ihre Weiblichkeit lebt, ist bunt und unterschiedlich.

Welche der folgende Assoziationen zur Weiblichkeit sprechen oder ziehen dich an?

Wild, sanft, zart, weise, feurig, kraftvoll, leidenschaftlich, erdig, zerbrechlich, hingebungsvoll, schön, fließend, humorvoll, kreativ, neugierig, spielerisch, ausgedrückt, erotisch, attraktiv, erfahren, tief, still, laut, ruhig, energetisch, lustvoll, …

Suche dir die für dich stärksten Wörter heraus und mach dir bewusst:
Sie spiegeln dir die Qualitäten wieder, die in dir sind. Du bist bereits, was du gerade gewählt hast.

Anika

Meine persönliches Fazit

Das Fazit habe ich formuliert als ich so richtig im flow und mit dem Thema “unperfekt sein” verbunden war:

Mir geht es nicht darum perfekt zu sein. Weil ich jetzt raus gehen will.  Ich will dich jetzt mit meinen Inhalten erreichen. Mir geht es um die Messages, die ich transportieren will.

Ich warte nicht darauf bis ich perfekt bin, bis ich fertig bin, bis sich alle Fehler korrigiert habe. Ich beginne jetzt.

Ich bin auf dem Weg und ich gebe mein Bestes. Und dabei bin ich total unperfekt und komme mit allerhand Fehlern daher.

Und ich bin mir sicher, dass du das auch tust: Das du immer dein Bestes gibst. Und ich wünsche mir für dich, dass du jetzt loslegst: Liebe dich selbst, so wie du bist!

Hör´ auf perfekt zu sein. Erlaube dir etwas fertig zu machen. Es abzugeben. Zu Ende zu bringen. Auch wenn es noch nicht hundertprozentig ist.

Ich möchte, dass du jetzt startest. Das Leben findet jetzt statt. Darauf zu warten das etwas vollkommen ist, das etwas vollumfänglich erfasst ist… dieser Zeitpunkt wird vermutlich niemals kommen.

Aber dein Leben findet jetzt, hier, in diesem Moment statt.

Ich möchte das du jetzt beginnst und aufhörst, dich selber aufzuhalten und dich selber damit zu sabotieren was noch nicht fertig ist.

Du brauchst diese wichtige weitere Ausbildung nicht. Diesem Mann fehlt auch nicht noch dies und das. Du musst auch nicht das und jenes noch erledigen.

Starte jetzt. Das Leben ist viel zu kurz, um deine wertvolle Zeit mit Perfektionismus zu verschwenden. Lebe jetzt.

Lass uns Spaß haben.
Lass uns Freude haben.
Lass uns jetzt unser Leben rocken.
Lass uns das tun wozu wir Lust haben.
Lass uns nicht von „ich will perfekt sein“ und „ich trau mich sonst nicht“, „ich werde dafür verurteilt und abgelehnt“ aufhalten.

Alles Liebe,

Anika

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade “Sei unperfekt” von Jutta Held.

* Weitere Ausführungen zum Antreiber Sei Perfekt findest du in diesem Standardwerk der Transaktionsanalyse.
** Wikipedia

6 Comments

  • Christina

    Reply Reply 3. Mai 2016

    Ich finde, du schreibst wunderbar – sehr ehrlich und authentisch – gratuliere zum Unperfektionismus!

  • Anika Fischer

    Reply Reply 3. Mai 2016

    Danke, liebe Christina 🙂

  • Jutta Held

    Reply Reply 3. Mai 2016

    Liebe Anika,

    danke für Deinen Beitrag zu meiner Blogparade!

    Es ist einfach der Wahnsinn, wie vielfältig das Thema Unperfekt sein ist!

    Durch Deinen Beitrag habe ich wieder ganz neue Aspekte kennengelernt, wie das Wabi-Sabi-Konzept, die Schönheit die im Unperfekten steckt. Nicht nur im Sinne von schön, sondern im Sinn von lebendig sein.

    Ich wünsche Dir einen lebendigen und vollkommenen Tag!

    Liebe Grüße
    Jutta

    • Anika Fischer

      Reply Reply 3. Mai 2016

      Liebe Jutta,
      sehr gern! Ja, dieses ästhetische Konzept ist ganz wunderbar! 🙂
      Ich empfinde es als total bereichernd!
      Liebe Grüße
      Anika

  • Claudia

    Reply Reply 7. Mai 2016

    Hallo liebe Anika Fischer,

    ich bin grad auf deiner Website “hängen geblieben” und eingetaucht in deine Themen hier…Sehr interessant! Und nun möchte ich dir einen ganz herzlichen Dank für diesen Artikel hier dalassen! PerfektionisMUSS 😉 und mein Ziel Mut zum Unperfektionismus – genau mein Thema grad :-)! Vielen Dank für die vielen bereichernden Anregungen!

    Herzliche Grüße

    Claudia

    • Anika Fischer

      Reply Reply 8. Mai 2016

      Liebe Claudia,
      ich bin mir sicher, dass du dein Ziel erreichen wirst! Es ist ein tolles Ziel 🙂
      Ich danke dir für dein schönes Feedback.
      Viele Grüße
      Anika

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